Distinguishing the General from the Generic / Little Dramas Staged / Pre-specificity / Projective Theory of Technology / Thinking as an Algebraic Mechanist

Offen ist abstrakt. Für eine Philosophie der Künstlichkeit, oder: Das Generelle lebt seine eigene Geschlechtlichkeit

Unter der Bezeichnung Open Design beginnt sich gegenwärtig das Label für eine Aufmerksamkeit herauszubilden, welches eine bestimmte Wiedererkennbarkeit, Einschätzbarkeit und Entwicklungstendenz in den aufkommenden Infrastrukturen zu indexieren sucht, in denen heutige „Produkte“ – so allgemein gesprochen wie es die Anwendbarkeit des Begriffs Design heute eben verlangt – ausgedacht, entwickelt, hergestellt, verteilt und erworben werden. Dabei scheint vorallem eines recht klar zu sein, nämlich dass für die Strukturiertheit, in der dieses gestaltende Produzieren und die damit einhergehenden Veränderungen heute geschehen, „Netzwerke“ eine tragende Rolle spielen. Wir wollen im folgenden davon ausgehen, dass das vielleicht herausragendste Charakteristikum von Netzwerken in deren logistischen Verfasstheit besteht. Netzwerke entstehen und entfalten sich auf der Basis logistisch verfasster, digitaler Infrastrukturen.

Nun ist uns sehr vertraut, dass Infrastrukturen eine tragende Rolle spielen für das Nachdenken über Produktionsbedingungen und auf deren Auswirkungen auf soziale Kategorien wie Arbeit, Autorschaft und Autorität, Projekt, Abkommen und Verantwortung, Eigentum und Wohlstand. Industrialisierung und das Herausbilden von nationalstaatlichen politischen Strukturen sind direkt miteinander verbunden, und technische Infrastrukturen spielen ohne Zweifel eine tragende Rolle für den Fortschritt und die Entwicklung von beidem. Innerhalb nationalökonomischer Horizonte ermöglichen zentralisierte Infrastrukturen das Ausgestalten und Kontrollieren der diversen „Stocks and Flows“ auf flexible Weise, sie geben einen Takt für das Gestalten der Abläufe verteilter Prozesse, so dass diese in die rahmengebende Systematik übergeordneter politischer Werte und Ziele integriert werden können.

Nun spielen aber die digitalen Infrastrukturen heute eine tragende Rolle für das Entstehen von Netzwerken, die sich gerade ohne rahmengebende Systematik, und die damit ermöglichte territoriale, politische Referenzierung herausgestalten und stabilisieren. In den globalen ökonomischen Feldern der Informationsgesellschaften, der Wissenskulturen und Bildungsmärkte – also jenseits nationalökonomischer Horizonte – ermöglichen dezentralisierte Infrastrukturen das Ausgestalten und Kontrollieren der diversen „Stocks and Flows“ nicht mehr nur auf eine parametrisch flexible Weise, sondern auf eine parametrisierbare, typologisierbare oder sonstwie spezifizierbare Art und Weise. Realistisch ist nicht mehr, was sich auf absehbare Weise in ein grösseres Ganzes einbetten oder aus dessen Ressourcen und Verwaltungsstrukturen herleiten lässt. Realistisch ist, was sich attraktiv genug verfassen lässt, um als Marke Fuss fassen zu können.

Wie aber lässt sich auf diese Weise Fuss fassen, und wo eigentlich? Ist es denn adäquat, sich diese Offenheit überhaupt als Grund und Boden vorzustellen, und welche Rolle spielen denn diese abstrakten Körper, die Identitäten alias Marken? Also etwas altertümlich gefragt: Mit welcher populations-verkörpernden Persona haben wir es denn zu tun, wenn wir mit den Regierungen jener Regionen in Kontakt kommen, in denen die Communities digitaler Netzwerke ihr Zusammenleben organisieren? Um die historische Beispiellosigkeit dieser Entwicklungen herauszuheben: Weder scheinen die Communities, welche Netzwerke heute zu erschliessen und integrieren vermögen, mehr in den politischen Strukturen aristokratischen (oder verbeamteten) Erbes verankerbar, noch in den merkantilistischen Tauschstrukturen einiger weniger Fürsten und Stadtstaaten – und schon gar nicht in einem Reich, indem die Existentialien wie Energie und Wissen zum generellen Besitz einer Multitude deklariert werden, die als Fürst (Hardt & Negri) oder als General Intellect (Paolo Virno) regiert [1] – aber auch nicht im nationalstaatlich verwalteten, gemeinsamen Grund und Territorium einer Zivilgesellschaft.

In den Antworten gegenwärtiger politischer Philosophen tauchen interessanterweise die beschriebenen Communities und deren Gemeinwesens-Struktur weitgehend gar nicht als Problematik auf. Für sie scheint klar: digitale Infrastrukturen und deren Netzwerke sollen für den gesamten Globus ein Common Wealth [2] bringen, in dem Energie, saubere Luft, Wissen im Generellen und als Information als Güter betrachtet werden. Sie sollen eine World Systems Analysis [3] ermöglichen zur Verwaltung dieser globalen Güter, um diesen Common Wealth als Projekt zu planen, zu kontrollieren und zu realisieren. Kurz, während digitale Infrastrukturen und deren Netzwerke auf der einen Seite die Strukturen für eine Produktivität ermöglichen, die sich weitgehend loskoppelt von geographisch zu verortenden ökonomischen Ressourcen, Interessen und verwaltenden Strukturen, so lassen sie auf der anderen Seite die politische Idee eines Weltreiches aufleben.

Der Medientheoretiker und Anthropologe Manfred Fassler hat kürzlich, ebenfalls im Kontext der Digitalisierung ökonomischer Produktionsverhältnisse [4], das gewichtige Wort von den „Zuständen unseres akuten Gattungslebens“ eingebracht. Damit bringt er eine Orientierungslosigkeit hinsichtlich einer zu entwickelnden Vorstellung von Kultur zum Ausdruck, die in der Information und in unserem Umgang damit ihre (quasi-materiell gedachte) Grundlage begreift. Worin aber genau besteht das Beunruhigende an seinem Votum? Nach klassischer philosophischer Auffassung kann die kategorische Form einer Gattung eigentlich gar keine unterschiedlichen Zustände durchleben – sie stellt vielmehr das Format bereit, um Zustände unterschiedlicher Art, also unterschiedlich spezifischer und individueller Ausgestaltung der Zugehörigen dieser Gattung unterscheiden, vergleichen, beschreiben domestizieren und in ein Gemeinsames integrieren zu lernen. Dass unser kollektives Leben als Gattung – als Gattung von Menschen – überhaupt so etwas wie akute Zustände kenne, erscheint eben darum wie eine Krankheitsdiagnose: Die generelle Form unseres Daseins als Menschen scheint in eine, zumindest potentiell ungesunde, Disbalance geraten [5].

Postulat 1

Eine Philosophie der Künstlichkeit strebt nicht nach Wissen, sondern nach Generosität und Gelassenheit durch Könnerschaft.

Sie ist nicht mehr aufgeregt darüber, dass die klassische Vorstellung einer Ordnung der Dinge sich in den algebraischen Formeln eines jeden Dings-an-sich generalisieren lässt. Sie bewundert die Bewegung der Moderne, auf diese Weise eine Republik der Dinge etabliert zu haben und richtet ihre Aufmerksamkeit nun auf die Morphologie von Identitäten als Polynomen. Ordnungen in den Dingen-an-sich können nun aktiv symbolisiert werden.

Wurden die individuellen Dinge einst als generalisierbar erachtet, indem man sie beim Namen nannte, so erachten wir sie heute als abstrakt symbolisch und individuierbar indem wir die generelle Form ihrer Namen (die Klassen/Mengen) als Körper begreifen und diesen Körpern ein Geschlechtsleben zusprechen. Ihre Sprösslinge sind die Polynome. Identitätskonstellationen (Formeln von Gleichung, Entsprechung, Äquivalenz) gehen ihrer Individualität voraus, sie integrieren immer viele Geschlechter in einen prä-spezifischen Zusammenhang und bringen so jene heterogenen Dinge hervor, deren Seinsweise uns als artefaktisch gilt.

Den diversen Coming-Outs dieses Geschlechtslebens des Generellen gegenüber strebt eine Philosophie der Künstlichkeit nach Gelassenheit.

Ihre Architektonik orientiert sich an Medialität alsVerfasstheit der Dinge mehrgeschlechtlicher Herkunft aus dem Generellen. Sie erlaubt das Ausbilden einer personalen Integrität durch die Einsicht, dass das, was wir lernen können beschränkt ist durch das, was wir tun können, wobei das, was wir tun können, in seiner Offenheit ermöglicht wird durch das Verteilen dessen, was gelernt werden kann.

Willkommen im Metalithikum

Dass wir uns überhaupt als Wesen mit einem Gattungsleben erachten, ist nicht selbstverständlich sondern erstaunlich. Genau das, diese Frage nach Erdung und Herkunft, nach Einbettung in und Herleitung aus einem grösseren Ganzen auf das wir vertrauen können, weil es von Generationskonflikten abstrahiert und darum entsprechend tolerant und stabil ist, gibt uns eine Vorstellung der eigenartigen „Konsistenz“ jener Stabilität, die von Netzwerken etabliert wird: Symbolisierungen.

Die einstige Kulturbewegung weg von einer mythischen zu einer wissenschaftlichen Bezugnahme auf das weltliche Geschehen war doch genau die, dass die Griechen angefangen haben, ihre Götter, sich selbst und alles andere was sie denken konnten auch, als Dinge zu begreifen die man beim Namen nennen kann. Aristoteles beginnt seine Kategorienschrift mit den Worten: „Gleichnamig heissen Dinge, welche […]“.

Das Nachdenken über die Entstehung der Dinge streifte die vormalig unmittelbare Bindung an mythische oder halbmythische Erzählungen ab, etwa in den Formen eines Chronos, eines Welteies oder eines Zeus; solcherlei wurde nicht mehr in einem unmittelbaren Sinn als befriedigende Erklärungsszenerie anerkannt. Die Gedankengänge der frühen Philosophen, ebenso wie der Markterfolg der damaligen Redetechniker, der Sophisten, bezeugen, dass man die explodierende Götterfülle in deren x-ten Generation als ein Zuviel zu empfinden begann, mit dem sich nichts mehr verstehen liess. Also wurde den Göttern ihr enthebendes Merkmal abgesprochen, und man begann allem, was als Ding erachtet werden konnte, einen Gattungsnamen zuzusprechen. In ihren gesprochenen und geschriebenen Sätzen ging es fortan darum, die Strukturen zu organisieren für all das, was grammatikalisch der Fall sein kann – was von einem Geschehen dinghaft als Satz ausgedrückt werden kann – und für all das, was man logisch als Implikation oder Konsequenz aus den mit Sätzen postulierten Zusammenhängen der Dinge gelten lassen soll. Erst mit den Gattungsnamen konnte man in den Dingen eine Geschlechtlichkeit erkennen, die es erlaubt, jedes Ding als Individuum einer generellen Natur zu erachten. Lat. natus bezeichnet geborene Dinge, und nur solche lassen sich nach Genus und Art sortieren. Das willkürliche Einwirken der Götter-Personen in die weltlichen Sphären konnte von nun an „als Fälle“ behandelt und beschrieben werden, es konnte ihnen eine gewisse Regelmässigkeit unterstellt werden – eine Entwicklung, die sich nicht nur als Logik, sondern auch als Grammatik auszudrücken begann. Man widmete sich den Weisen des Sprechens mit systematischem Blick. Man unterschied Namenswörter und Tätigkeitswörter, Adverbien und Pronomen, und kategorisierte deren mögliche Bezugsnahmen aufeinander. Stabilität im Ordnen der Ereignisse konnte man fortan auf unterschiedliche Weise symbolisieren.

Postulat 2

Die Symbolizität von Formen zum Interpretieren und Konstruieren, zur Analysis und Synthesis, konnte in vor-digitaler Zeit kaum je sichtbar und eigenständiges Thema werden. Wissen wurde zunehmend radikal als verdinglichbar und objektivierbar verstanden. Heute jedoch macht die teilbare Information der dinglichen Materialität das Primat als infrastrukturelle Leitfigur streitig; die bisherigen Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Materie und Können sind im Begriff sich zu verkehren. Die Sachverhalte verlieren heute ihr Objekt ins Abstrakte, und gewinnen, als generalisierte Sachverhalte, an individuierender Eigenmächtigkeit in konkreten Situationen.

Heute haben wir die Reichtümer von zig Symbolisierungen, Theorien, Konzepten, Artefakten, Geschichten, Figuren, Formen und Formeln. Wir haben das Material, um unser Können im Symbolisieren zu trainieren. Open Source, Pools und Plattformen, Datenströme und Kanalisierung, Echtzeit und Verfügbarkeit, Faktorisieren, Komponentieren, Elementarisieren, Selektieren, Ignorieren, Verteilen, Empfehlen, Diskreditieren, Speichern, Transformieren, Versionisieren, Modellieren, Diversifizieren, Ableiten, Integrieren, Approximieren. Algorithmisches Züchten und algebraisches Ausdrücken, formulieren, Formeln etablieren. Code als Information lesen und umgekehrt. Codieren. In Wörter gliedern, Grammatiken entwerfen, Terme identifizieren, sie in polynomische Ausdrücke integrieren und in eine Modellwelt setzend ihr Verhalten simulieren. Es werden Erwartungen und Vorstellungen aus solcher Empirie-im- Abstrakten entwickelt. Anstatt allerdings mit Mut in der Phantastik konsistent denken lernen zu wollen, werden die etablierten, analytisch-selbstbeschränkenden und selbst- bescheidenden Geschichten-die-keine-grossen-mehr-sein-wollen, in ihrer Struktur beschwörend legitimiert, indem sie mit Indizien gefüttert, als drohende Szenarien ausgemalt und als Endpunkte oder Stase in die Zukunft projiziert werden: Das Ende der Arbeit. Die Grenzen des Wachstums. Kapitalisierung des Denkens. Gleiche Entfaltungsfreiheit für alle. Dramatisieren in einen medial erzeugten Common Sense, statt Verantwortung durch Allgemeinbildung. Wohlfühl-Toleranz. Sterilität und Effizienz. Hygiene. Andererseits, jeder für sich: Man wählt Timelines und sequenziert die eigenen Pläne, wenn man überhaupt Pläne macht beim Surfen. Surfen auf und in der allgemeinen Parametrik von allem, was irgendjemand wertschätzt, einmal wertgeschätzt hat, oder von dem man denken könnte, dass es jemand wertschätzen könnte, jetzt oder irgendwann. Dinge machen. Tun. Aktivsein. Ohne jemals wirklich anzufangen oder aufzuhören. Ein Tun im Abstrakten, Generellen – man könnte konkret werden wenn man wollte, jederzeit. Das Energetisieren ist spannender. Vielversprechender. Leichter. Noch. Es ist aufregend und überfordernd zugleich, die vertrauten Rollen für unser erwachsenes Tun spielen im digitalen als-ob ein eigendynamisches schematisches Spiel. Närrisch, tyrannisch, leer oder langweilig, masslos, grössenwahnsinnig oder impotent, steif oder schematisch oder profillos verhalten sich die Rollen in einer vernetzten Dynamik und drängen uns – wenn wir uns denn mit diesen Rollen identifizieren wollen – in eine Kindlichkeit, für die sich in den gesellschaftlichen Strukturen noch keine Wohlwollens-Sanktionierungen herausbilden konnten.

Doch wer vernetzt denkt, muss unweigerlich sich und seine Welt in Szene setzen. Wir riskieren bei allem, was wir ernst meinen in den Netzen, uns in infantiler Naivität zu outen. Es gibt noch wenige Vorbilder dafür, wie man in diese Formate und Formatisierungen hineinwachsen kann, um sie auf eine Weise auszufüllen, die dem Kulturstolz eines gebildeten Könners, und seinen Kriterien, genügen können.

Das neue Primat der Information für das Kennenlernen des Wesens der Dinge impliziert eine Entwicklung, die in ihrer Tragweite vielleicht nur mit derjenigen hin zu einer sesshaften Lebensweise vergleichbar ist. Nicht mehr die Steine, nicht deren Formen und deren Transfigurierbarkeit, nicht deren Generalisierung nach Gesetzmässigkeiten materieller Transformierbarkeit, sondern die Verfasstheiten der Symbolizität all dieser Generalisierung steht nun im Vordergrund. Technologie ist nicht einfach Technologie, vielmehr verändert sie ihren Charakter über die Zeit. Lassen wir ihre Geschichte – zwanglos aber plausibel – in der sogenannten neoltihischen Revolution ansetzen. Gehen wir davon aus, sie hätte eine zu unrecht etwas gering geschätzte Zwillingsgeschichte. Diese wollen wir Metalithikum nennen. Sie dreht sich um die Symbolizität jener Formen und Schemen, durch deren Anwenden und Ausspielen sich die Menschen in ihren domestizierten Lebensräumen einzurichten gelernt haben. Wir postulieren, dass uns diese Symbolizität in all ihren Gestalten genauso wenig einfach als Symbolizität gelten kann. Auch sie verändert ihren Charakter über die Zeit. Einen Umgang mit den veränderten ökonomischen und politischen Produktionsverhältnissen zu lernen scheint ohne eine Auseinandersetzung mit dem gemeinsamen Wurzeln von lernbarem Denken, Wissen und Konstruktion in der Genese der antiken techné – diesem Verbund an Handwerk, listigem Wissen und künstlerischer Geste – nicht in Aussicht zu stehen.

Die grosse Frage ist nun, in welchem Sinn die gegenwärtige techné als ein Fortführen jener Genealogie des Technischen zu erachten ist, die sich aus Metallurgie, Ackerbau und den entsprechenden Kulturtechniken genauso bestimmt wie aus deren Schematisierung und Logifizierung durch die Geometrie, Arithmetik und Sprache. Denn auch in ihrem physischen Bezug hat sich die Grundlage der heutigen techné verschoben. Technisches Können lässt uns seit rund 100 Jahren schon mit der Elektrizität in einer Form von Energie, oder besser: einer Energetik einrichten, die als Abstraktion des kulturgeschichtlichen Umgangs mit Feuer, Wärme und den diversen Brennprozessen gelten muss [6].

Postulat 3

Elektrizität ist nicht lediglich eine weitere Verfeinerung des Gebrauchs natürlicher Energieströme. Sie ist keine Form von Energie. Sondern sie stellt vielmehr die Möglichkeit bereit, Energie in jegliche physikalische Form übersetzbar zu machen. Elektrizität ist die symbolische Verfasstheit von Spannung, aus der sich alles antreiben lässt, was als Umsetzung projektiert ist.

Die Strahlung der Sonne auf die Erde erlaubt es im Prinzip, aus dem Offenen des Weltraumes pro Tag 10‘000 mal so viel Energie als Elektrizität zu kapseln, wie der weltweite gesamte tägliche Energieverbrauch im Jahr 2011 betragen hat. Photovoltaik ist zudem die einzige Energietechnik, die ihre Produktionsbedingungen mit jenen der Informationstechnik teilen: wie alle Elektronik sind sie Druckprodukte. Je grösser die Nachfrage nach Solarenergie, desto billiger wird sie.

 

Artefakte als dinglich gesprochene ‘Artikel’ einer ins Technische veräusserlichten, algebraischen Grammatikalität

Um auf die veränderten Produktionsverhältnissen also einen entsprechenden Blick zu entfalten gilt es, die Symbolizität in der Verfasstheit der Dinge, als zur Res Publica domestizierte Urbanität-im-Allgemeinen, als eine deterritoriale Urbanität von allem, was der Fall sein kann, ins Zentrum zu stellen. Es geht damit nicht mehr primär um ein Verstehen der Bewegtheit der Dinge, sondern um das Ausbilden einer Beweglichkeit im Artikulieren der Dinge. Wir wollen dafür heutige Produkte als Artikel fassen und diese – gegenüber den industriell-politisch-ökonomischen Herstellungsbedingungen von Produkten als Produkten – im Kontext informationstechnischer Herstellungsbedingungen begreifen lernen. Der entscheidende Unterschied zwischen Produkt und Artikel besteht darin, dass Produkte auf arithmetische Weise als Ding gefasst werden, und damit nur prinzipiell ihrer Teilbarkeit Bedeutung zumessen, nicht aber den möglichen Weisen der Teilbarkeit. Sowohl der Gebrauchs- wie auch der Tauschwert von Produkten postulieren eine Partitionierungs- oder Faktorisierungs- Gleichgültigkeit ihrer Verfasstheit: ob man 3 x 6 oder 9/3 x (4 + 2) rechnet macht für den gehandelten Wert des Resultat keinen Unterschied. Artikel hingegen wollen wir als algebraisch verfasste Dinge bestimmen, und für sie gilt diese postulierte Gleichgültigkeit nicht. Sie verkörpern kein Resultat, sondern Weisen der Verträglichkeit zwischen Dingen. Das was uns ein Artefakt zu tun ermöglicht, wenn man es als Artikel begreift, besteht in den angebotenen Passungen zur Eingliederung des Tuns in ein grösseres Ganzes. Ein Artefakt als Artikel vereint, wie auch die Artikelgesetze im juridischen Kontext, gleichzeitig mehrere „Sätze“ oder „Inhalte“ auf verallgemeinerte, formale Weise. Wenn die Einheit des Satzes ein Geschehen fassen soll, so lassen sich Artefakte als Änderungssätze bezeichnen, die gewissermassen kultürlich, urbanistisch, eine bestimmte Thematik in einer ganzen Reihe von Kontexten variierbar machen.

Genau weil die Formalität von Artefakten nie eine vollends notwendige Form annehmen muss, sondern eine gestaltete – sonst würden wir ja gar nicht von einem Artefakt sprechen, sondern von einem natürlichen Ding – scheint es adäquat, sie in diesem Sinn als Artikel zu fassen. Als algebraisch verfasstes Ding verkörpert das Artefakt also ein partieller, und in seinem abstrakten Charakter prä-spezifischer Ausdruck aus einem Ausdrucksspektrum, das von einem Artefakt selbst nie vollends ausgeschöpft werden kann. Dieses Spektrum wird von einer generischen Formel verkörpert, als symbolische Möglichkeitsstruktur von allem, was als Fall darin ausgedrückt werden kann. Während diese Möglichkeitsstruktur zwar prinzipiell vollends bestimmbar, und damit in keiner Weise arbiträr ist, kann sie doch nie vollends bestimmt ausgedrückt werden. Genau darin besteht der abstrakte, prä-spezifische Charakter von Artefakten, wenn wir diese in ihrer symbolischen, algebraisch verfassten Dinglichkeit betrachten. Damit kommen die Artefakte als Artikel nun in eine interessante Nähe zum Artikulierbaren in der Grammatik zu stehen. Wir wollen im Folgenden die informationstechnischen Herstellungsbedingungen im Kontext einer Veräusserlichung von Grammatikalität ins Technische lesen, und dies ohne dass sich die Grammatik damit unweigerlich auf Syntax und reines Regelfolgen reduzieren muss. Die Artefakte selbst, als dinglich gesprochene Artikel, stellen Zeugnisse dar für Redegewandtheit, sprachliche Ausdruckskraft und Differenziertheit, kurz, für eine nicht reduzierbare Konsistenz durch Können in Ausdruck und Inhalt. Die konkrete Verfasstheit der Symbolizität von Artefakten lässt sich also als das Artikulieren eines dinglichen Sprechens fassen, das eine ins Generelle (Technische, Logische, Politische) veräusserlichte Grammatikalität voraussetzt. Dabei muss dieses Artikulieren eines dinglichen Sprechens gerade nicht unbedingt heissen, dass uns nun, ganz Kantianisch, alle Dinge lediglich noch als konzeptuell gelten dürften. Das Artikulieren eines dinglichen Sprechens heisst gerade nicht mehr, über Dinge zu sprechen. Vielmehr können uns die Artefakte als Artikel eine abstrakt-empirische Erfahrungsebene zum Ermessen von definitorisch angebotener Adressierungen des konzeptuell Denkbaren bereitstellen. Im grammatikalischen Sinn quantifizieren die Artikel entweder Verb oder Nomen eines Satzes. Sie bringen Bestimmtheit oder Unbestimmtheit zum Ausdruck oder spannen ein indexierendes Verweisnetz auf, welches über das im Satz explizit Geäusserte hinaus verweist. Diese indexikalische Struktur finden wir auch übertragen in den juridischen Kontext, wo Artikelgesetze Gesetzesänderungen bündeln. Artefakte als Artikel verkörpern Bündel an Änderungen von Prozessen, sie mischen sich immer in ein grösseres Ganzes ein. Nun stellt sprachliche Grammatik genau darin, dass sie die Strukturen verkörpert in denen alles, von dem wir denken dass es im Geschehen, das wir erleben, der Fall sei, gewissermassen eine Unmittelbarkeit zum Verfassen unser Gedanken dar; jede Suche nach einer in ein generelles Abstraktes veräusserlichten Grammatik müsste demnach für unser Denken so transparent bleiben, wie die Anschauungsformen in Kants transzendentaler Architektonik. Dies stünde natürlich stark im Widerspruch zur Forderung nach Distinktion, Bewertung und Kritik, die wir uns von einem dinglichen Sprechen im Möglichkeitsraum einer ins Technische veräusserlichten Grammatikalität versprechen. Wenn wir aber nicht nach einer in ein generelles Abstraktes veräusserlichten Grammatik suchen – als Logik etwa, als Intuition, als generelle Struktur von Kognition oder Psyche – sondern Artefakte als prä-spezifische verdinglichte Abstraktionen behandeln lernen, als Bündel von Indexen zum projektiven Quantifizieren dessen, was der Fall sein kann, dann lässt sich diese Unmittelbarkeit in eine Distanz bringen, die durchaus einem mittelbaren Blick zugänglich ist. Dieser Blick kann uns, im Kantischen Sinn allerdings leicht verschoben, sogar als kritisch gelten: jedoch vermitteln die Distinktionen, die Kriterien, keine Urteile mehr sondern eine symbolische Teilbarkeit. Kritik vollzieht sich von nun an als Erwägen und Bewerten von Indexen auf Merkmale und Markierungen, die in die unterschiedlichen Schichten virtueller Abstraktheit, die ein Artefakt als Artikel verkörpert, hineinverweisen. Mit einer symbolischen Aufklärung wird Kritik möglich als das Anreichern und Dotieren von Strukturen, als ein aktives Ausstatten dessen, was sich in der repräsentations-orientierten Place-Value-Logik als symbolische Unterbestimmtheit darstellt, zu Ausdrucksweisen, die eine symbolische Wertschätzung verkörpern. Kritik und Affirmation stehen damit nicht mehr im Widerspruch. Haben wir denn in den Themen des Existentialismus nicht bereits das Stattfinden jener Aufklärung erlebt? Und erleben wir nicht gerade eine symbolische Romantik, mit der ganzen Faszination für morphologische Organizität in Bionik, Genetik, die sogar auf der Kippe steht, in einen symbolischen Neo-Barock zu kippen?

Wenn wir von einer in den Artefakten veräusserlichten Grammatikalität dinglichen Sprechens ausgehen wollen, so ist das zunächst in einer deskriptiven Weise gemeint für die noch nicht feststeht, wie sich dieses Reflektieren selbst formalisieren liesse. Das Versprechen ist zunächst ganz einfach dieses, dass eine solche Perspektive dabei helfen könnte, aus dem unfruchtbaren ineinander Verhakt-sein von jeglichen Natur-Kultur, Tatsache-Artefakt, Notwendigkeit-Kontingenz Konstellationen herauszufinden. In Netzwerken, so ist allgemein bekannt, ist man mit monokausalen Denkmustern nicht

gut ausgestattet. Wir müssten für eine solchermassen kritisch-affirmative Haltung allerdings eine abstraktere Einstellung den Dingen gegenüber einnehmen, als wir es gemeinhin gewöhnt sind.

Dies liesse sich durch ein Aufgliedern der Verfasstheit von Symbolizität in drei Dimensionalitäten erreichen und eingewöhnen:

a)  die Dimensionalität des Grammatischen verkörpert jene Proportionalitäten, mit denen wir Gedanken zu wohlgeformten Einheiten, Sätzen, arrangieren können;

b)  die Dimensionalität des Logischen verkörpert jene Proportionalitäten, in denen wir Sätze in einen allgemeinen und insofern teilbaren Zusammenhang stellen können;

c)  die Dimensionalität des Mathematischen verkörpert jene Proportionalitäten, mit denen wir die Teilbarkeit der allgemeinen Zusammenhänge deklinieren und komponieren können.

Aus einer solchen Perspektive lassen sie verschiedene Richtungen der jüngeren Philosophie, denen wir unterstellen wollen dass sie allesamt mit der Symbolizität der abstrakten Algebra ringen, in eine komparatistische Symmetrie-Vergleichbarkeit bringen: Das Programm zur Logifizierung des Mathematischen im Ausgang an Frege und Russell lässt sich damit in eine interessante Spannung bringen zum Vorschlag von Boole, Dedekind, Peirce oder auch dem frühen Whitehead, nämlich das Logische zu mathematisieren. Auch Wittgensteins Suche nach einer philosophischen Grammatik lässt sich in eine klares Verhältnis setzen zum Vorschlag des logischen Empirismus, der nach einer Logifizierung von Grammatik strebt. Auch auf poststrukturalistische Stülpungen dieser Konstellationspositionen ins Hybride, wie es sich etwa Deleuze mit seiner Logik des Sinns ausdenkt indem er mathematische Bedingungen für Interpretierbarkeit postuliert, lässt sich eine komparatistische Distanz gewinnen wenn man seinen Vorschlag auf eine Symmetrie hin zu Derrida‘s grammatologischen Bedingungen für Interpretierbarkeit liest. Transzendental argumentierende fundamental Positionen wie diejenige von Lacan‘s Theorie einer Generalisierbarkeit des Unbewussten aufgrund einer von ihm postulierten sprachlichen Struktur des Unbewussten lässt sich in eine produktive Distanz bringen, wenn man sie zu Chomsky‘s Theorie einer Universalgrammatik und dem Postulat einer Generalisierbarkeit von Kognition hin liest.

Der Vorteil einer solchen Symmetrie-Vergleichbarkeit oder kurz: einer solchen Komparatistik, besteht darin, dass sich auf diese Weise die jeweiligen Voraussetzungen der philosophischen Abstraktionsgebäude in Szene setzen und projektiv reflektieren lassen, ohne dass man selbst im Vorhinein immer schon eine bestimmte Position einnehmen müsste die einen, unweigerlich, bestimmte Voraussetzungen blind importieren liesse. Mit den drei angenommenen Dimensionalitäten symbolischer Verfasstheit lässt sich eine projektive Ebene aufspannen, auf der sich Symmetrieverschiebungen und deren Implikationen und Konsequenzen formal nachzeichnen und experimentell simulieren lassen.

Postulat 4

Information ist weder Inhaltsform noch Ausdrucksform, sondern sie stellt vielmehr die metrische Einheit – das Unit – als ein Abstraktum bereit, mit dem sich Inhalt wie Ausdruck algebraisch quantifizieren lässt. Quantifizieren im Informationellen meint somit nicht lediglich Zählen, Messen, oder codierendes Zuordnen von Paarstrukturen. Information ist vielmehr die abstrakt-symbolische Formalität, in der sich die Konsistenz eines Generellen als geschlechtliche Konsistenz ausdrückt. Information ist die symbolische Verfassbarkeit von Sinn aus prinzipiell allem, was denkbar ist. Artefakte sind Ausdruck eines dinglichen Sprechens, eines Artikulierens mit den Inhalts- und Ausdrucksformen, die informatorisch quantifiziert sind.

Postulat 5

Die symbolische Algebra ist weder Sprache noch Zahl noch Form, sondern sie stellt vielmehr die Möglichkeit bereit, jegliche bekannte oder ausdenkbare symbolische Verfasstheit in ein explizierbares, interpretierbares und kalkulierbares Verhältnis zu jeglichem anderen zu bringen. Sie erlaubt es, durch das offene Anreichern von Welt an Abstraktion die Verträglichkeit von Konsistenzen auf ihre Integrabilität hin zu entwickeln.

Anmerkungen

  1. Vgl. Hardt | Negri 2010 und Virno 2005.
  2. Vgl. Hardt | Negri 2010.
  3. Vgl. Wallerstein 2004.
  4. Faßler 2011, S. 34.
  5. Vgl. für ein aktuelles Wiederaufleben der damit zusammenhängenden philosophischen Fragen die beiden jüngst auf Deutsch erschienenen Positionen von Jean-Luc Nancy einerseits und von Alain Badiou und Barbara Cassin andererseits.
  6. Vgl. Bühlmann | Hovestadt 2012.

Literatur

Badiou, Alain | Cassin, Barbara: Es gibt keinen Geschlechtsverkehr [Il n’y a pas de rapport se- xuel]. Zwei Lacanlektüren [Deux leçons sur „L’Etourdit“ de Lacan]. Aus dem Französischen von Judith Kasper. Zürich 2012.

Bühlmann, Vera | Hovestadt, Ludger (Hrsg.): Printed Physics: Metalithikum I. Wien 2012.

Faßler, Manfred: Wo ist OFFEN? In: Open Design. CIS.doc #04: Creative Industries Convention 2011 (Graz 2011) S. 14, 32, 34, 36.

Hardt, Michael | Negri, Antonio: Common Wealth. Das Ende des Eigentums. Aus dem Englischen von Thomas Atzert und Andreas Wirthensohn. Frankfurt am Main 2010.

Nancy, Jean-Luc: Es gibt Geschlechtsverkehr [L’“il y a” du rapport sexuel]. Aus dem Französischen von Judith Kasper. Zürich 2012.

Virno, Paolo: Die Engel und der General Intellect. Individuation bei Duns Scotus und Gilbert Simondon. In: Ders.: Grammatik der Multitude [Grammatica della moltitudine]. Öffentlichkeit, Intellekt und Arbeit als Lebensformen. Aus dem Italienischen von Klaus Neundlinger. Hrsg. und eingeleitet von Klaus Neundlinger | Gerald Raunig (Wien 2005) S. 165-188.

Wallerstein, Immanuel: World-Systems Analysis. An Introduction. Durham NC 2004.

 

Dieser Text ist ein Entwurf, entstanden im Rahmen einer Konferenz zum Thema Open Architecture, organisiert von Dr.-Ing. des. Michael Steinbusch (Technische Universität Dresden, Lehrstuhl Industriebau Prof. Dr. Günther Henn) und Prof. Dr. Dominik Walcher (Salzburg University of Applied Arts), die im Juni 2011 stattgefunden hat. Eine überarbeitete Fassung ist inzwischen in der Dokumentation der Konferenz als Buch (print und online) veröffentlicht: http://open-arch.com

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